Jewhen Konovalez

* 14. Juni 1891 in Saschkiw bei Schowkwa, Galizien Österreich-Ungarn

† 23. Mai 1938 in Rotterdam, Niederlande

 

Politiker und Militärbefehlshaber der Ukrainischen Volksrepublik

ab 1929 Leiter der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN)

 

besuchte in seiner Jugend die Universität Lemberg, erwarb dort einen Abschluss an der rechtswissenschaftlichen Fakultät

Bereits früh wurde er politisch aktiv und in das Leitungsgremium der Nationaldemokratischen Partei gewählt. Zudem war er für eine ukrainische Erziehungsorganisation tätig

 

Diente im Ersten Weltkrieges  zunächst als Leutnant in der österreichisch-ungarischen Armee. 

1915 geriet er  in russische Kriegsgefangenschaft

Im Gefangenenlager von Zarizyn schloss er sich einer Gruppe galizisch-stämmiger Offiziere unter der Führung von Andrij Melnyk an

dieser Gruppe gelang  im November 1917 die Flucht aus der Gefangenschaft Die Gruppe gelangte nach Kiew und stellte ein Bataillon so genannter Sitsch-Schützen auf, das vornehmlich aus Galiziern und Bukowinern bestand.

Zwei Monate später übernahm Konowalez das Kommando über das Bataillon. Mit seinem Bataillon war er an der Niederschlagung eines bolschewistischen Aufstands in Kiew und am Widerstand gegen die von Antonow-Owsejenko geleitete Offensive der Bolschewiki beteiligt

 

Als sich 1920 die Hoffnungen auf eine unabhängige Ukraine mit der Aufteilung ihres Gebiets zwischen der Sowjetunion, Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei zerschlugen, gründete er im August 1920 in Prag die Ukrainische Militärorganisation OUN.  Diese Organisation diente dem bewaffneten Kampf gegen Polen und die Sowjetunion im ukrainischen Unabhängigkeitskampf im Untergrund. Sie propagierte die Idee einer ukrainisch-deutschen Allianz gegen die beiden genannten Mächte, um einer selbständigen Ukraine den Boden zu bereiten. Nach dem Ende des Polnisch-Sowjetischen Krieges übernahm Konowalez die Leitung der Aktivitäten der Organisation in Lemberg. Die Zelle in Lemberg wurde nach einigen erfolgreich durchgeführten Sabotageakten im Dezember 1920 von der Polizei zerschlagen und Konowalez musste außer Landes fliehen.

 

Die ersten Jahre im Exil verbrachte Konowalez in der Tschechoslowakei, Deutschland, der Schweiz und Italien. 1929 nahm er am ersten Kongress der ukrainischen Nationalisten in Wien teil, anlässlich dessen die Organisation Ukrainischer Nationalisten unter seiner Führung gegründet wurde. In der Folgezeit war Konowalez bestrebt, den Einfluss der neuen Partei innerhalb der Gemeinde der ukrainischen Exilanten überall in Europa zu vergrößern und zudem Kontakte mit den Geheimdiensten von Litauen, Deutschland und Italien zu knüpfen. Das Ziel der Partei war weiterhin die Wiedererlangung der Unabhängigkeit der Ukraine durch den bewaffneten Kampf. Nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland richteten sich die Hoffnungen der von Konowalez geleiteten Partei auf Deutschland, da sie sich einen Wechsel der Machtverhältnisse im Osten Europas versprach. Gleichzeitig führten ukrainische Nationalisten vor allem in Polen, aber auch in den anderen drei Staaten mit ukrainischen Minderheiten Sabotageakte durch.

 

Am 23. Mai 1938 erhielt Konowalez in Rotterdam von einem vermeintlichen Freund, bei dem es sich in Wahrheit um den sowjetischen Agenten Pawel Sudoplatow handelte, ein Geschenk, das mit einer Sprengfalle versehen war. Konowalez starb an den Folgen des Anschlags.